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Gamescom 2017

Die Gamescom ist die größte Computerspielemesse Deutschlands und es ist keine Übertreibung zu sagen, dass sie einer der wichtigsten Consumer-Messen der Welt ist. Während die großen Ankündigungen schon einige Monate zuvor auf der E3 bekannt gegeben werden, ist die Gamescom für die breite Masse geöffnet und die Besucher können sich selbst ein Bild der Neuerungen machen.

Aber was hat Automotive eigentlich mit Videospielen zu tun? Eine Antwort darauf zu finden ist … schwierig.

Für uns sind einige Schnittmengen offensichtlich. Schlagworte wie User Experience, Virtual Reality oder Augmented Reality hört man nicht nur in der Spielebranche immer öfter, sie werden auch in der Automobilbranche immer wichtiger und sind sogar Grundvoraussetzung für den nächsten großen Schritt in Richtung autonomes Fahren.

Als ich dann die Gelegenheit bekommen habe mir selbst ein Bild von all diesen Innovationen zu machen und auch endlich mal Zugang zum Business Bereich bekommen habe, war ich schon sehr aufgeregt. Mit Visitenkarten bewaffnet, machte ich mich auf in eine virtuelle Welt.

Virtual Reality

Da brauchen wir nicht lange drüber zu reden. Schon seit den ersten SiFi-Verfilmungen ist der Wunsch nach einer erweiterten, virtuellen Realität gewaltig. Mit dem Virtual Boy von Nintendo hat man dann sehr schnell das Scheitern gelernt und danach sollte es fast 20 Jahre dauern, bis die Technik endlich einen Punkt erreicht hat, bei dem man sich wieder an das Thema getraut hat.

Mit der HTC-Vive und der Oculus Rift gibt es nun endlich brauchbare Endgeräte für den Benutzer, die zwar noch hohe Hardwareanforderungen voraussetzen, allerdings eine virtuelle Realität greifbar machen.

Trotzdem haben sie noch, vor allem für die Automobilindustrie, ein großes Problem: haptisches Feedback. Auf der Messe habe ich zwei Firmen gefunden, die sich diesem Problem stellen wollen.

Gamescom pic

Die erste Firma ist Ultrahaptics, die nach eigenen Angaben hauptsächlich im Automotive Bereich unterwegs sind.

Bei Ultrahaptics wird haptisches Feedback durch Ultraschall erzeugt. Das schöne dabei ist, dass das Feedback nicht punktuell, sondern tatsächlich auf der kompletten Handfläche stattfindet. Das Gefühl dabei ist sehr angenehm, allerdings merkt man recht schnell, dass es sich noch um einen Prototypen handelt. Durch ein virtuelles Tuch zu fassen macht Spaß und ist einfach, aber das Drehen eines virtuellen Knopfes ist dann schon kniffliger und alles andere als intuitiv. Mag sein, dass dies auch dem Versuchsaufbau mit der Leap Motion geschuldet ist, trotzdem ist es ein großer Nachteil, dass man auf das Board, welches die Ultraschallwellen erzeugt, angewiesen ist (siehe Abbildung).

Die zweite Firma ist die spanische Firma Neurodigital, die mit ihrem GloveOne das Problem des fehlenden haptischen Feedbacks mit Handschuhen lösen. Mit 10 Berührungspunkten im Handschuh und Sensoren (beispielweise für die HTC-Vive) kann der Controller tatsächlich durch den Handschuh ersetzt werden, was ein viel präziseres Feedback erlaubt. Diese Technologie ist es auf jeden Fall wert, weiter verfolgt zu werden. Leider war der Andrang am Stand so groß, dass ich nicht die Gelegenheit hatte, den Handschuh selbst auszuprobieren.

Die Ernüchterung

Wirkliche Innovationen gab es leider nicht zu entdecken. Green Screens – die sich noch dazu als Mogelpackung herausstellen – können niemanden mehr nachhaltig begeistern.

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Zwei andere Bereiche standen im Vordergrund: Social Influencing und Monitarisation. Durch die Digitalisierung werden die Karten im Marketing und Advertising neu gemischt und natürlich geht es darum Geld zu verdienen – als Creative Technologist, vermisse ich neben all den werbenden Influencern aber das, was die Essenz der Veranstaltung sein sollte: spannende technologische Innovationen.

Für mich war die Spieleindustrie immer der Impulsgeber, der Innovation in neue Bereiche und Branchen trägt. Impulse wie der, statt einer stumpfen Benutzung von Werkzeugen Erlebnisse entstehen zu lassen. Dass Arbeit nicht nur Ernst ist, sondern Spaß machen kann und dabei professionell bleibt. Auch das Autofahren soll uns schließlich heutzutage nicht mehr nur von A nach B bringen, sondern ein Transportmittel mit Emotion sein.

So ist wieder deutlich geworden, dass wir, icon incar, Impulsgeber sind und sein müssen, um Innovationen voranzutreiben.

gamescom.de